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Gar nicht zum Kichern

Von | 2018-06-27T20:52:51+00:00 5. Februar 2014|Zebra in eigener Sache|7 Kommentare

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Den Titel für die lustigste Hülsenfrucht hätte sie ja verdient – die Kichererbse. Ich kann mich überhaupt nicht erinnern, wann ich das letzte Mal Kichererbsen gegessen habe. Und einen Kichererbsendip habe ich, glaube ich, noch nie probiert. Deshalb bin ich auch ziemlich gespannt, was uns die Zweitklässler der Grundschule Steinkirchen schreiben. Die Klasse hat nämlich gemeinsam das Rezept für einen Kichererbsendip aus unserem Zebra Lesebuch 2 ausprobiert. Im ersten Brief, den ich auseinanderfalte, schreibt Mira uns, dass ihr der Dip gut geschmeckt hat. Ihrer Mama auch. Das ist doch schön, denke ich und beginne, den nächsten Brief zu lesen. Leo schreibt: „Mir hat der Dip nicht geschmeckt, weil es gestunken hat. Der ganze Klassenraum hat gestunken.“ Ich stutze. Das klingt ja nicht so positiv… Im nächsten Brief, den ich lese, stimmt Nabou seinem Klassenkameraden zu: „Er hat fürchterlich gerochen. Wie Katzenfutter.“ Katzenfutter? Ach du meine Güte! Ich bin gespannt, was die anderen Kinder schreiben. Lilly Ann schlägt vor, die Seite mit dem Rezept in den anderen Büchern wegzulassen. Und Nele schreibt: „Ich würde nur das Öl mit dem Fladenbrot oder nur das Fladenbrot essen.“

Und nun? Wenn die Kinder der Meinung sind, das Beste an dem Kichererbsendip ist die Beilage, muss der Sache doch noch einmal nachgegangen werden. Ich schlage meinen Kolleginnen vor, das Rezept auszuprobieren. Eine schöne Aufgabe für eine Praktikantin.

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Schon am nächsten Abend starte ich den Selbstversuch. Nach dem Einkauf lege ich alle Zutaten auf dem Küchentisch bereit: Kichererbsen aus der Dose, 2 Zitronen, Kräutersalz, Wasser, Öl und Fladenbrot. Da fällt mir auf, dass der Pürierstab fehlt. Eine gute Gelegenheit, mal wieder bei den Nachbarn vorbeizuschauen. Nach einigem Geklingel und Gequatsche werde ich im 4. Stock fündig. Es kann also losgehen. Ich öffne die Dose mit den Erbsen – und weiche einen Schritt zurück. Es riecht nach Katzenfutter. Diese Kichererbsen haben eine Dusche dringend nötig. Deshalb fülle ich die angegebene Menge (250g) in ein Sieb und halte es unter fließendes Wasser. Danach presse ich die zwei Zitronen aus. Ich kippe die Kichererbsen zusammen mit dem Zitronensaft, 5 Esslöffeln Wasser und 1 Teelöffel Kräutersalz in meine rote Lieblingsschüssel und püriere alles ordentlich durch.

Dann stehe ich etwas skeptisch dreinblickend vor dem farblosen Mus. Ich überlege ernsthaft, den Versuch an dieser Stelle abzubrechen. Aber es nützt ja nichts. Versprochen ist versprochen. Also tunke ich ein Stück Fladenbrot in den Dip, danach ins Öl (2 Esslöffel habe ich in eine Schüssel gegeben) und probiere. Ich muss feststellen: Diese Kichererbsen werden ihrem Namen wirklich nicht gerecht: Sie sind nicht lustig, sie sind vor allem sauer! Vielleicht waren die Zitronen, die ich mir ausgesucht habe, zu groß? Zitronen hin oder her, dieser Dip schmeckt mir genauso wenig wie den Kindern der Grundschule Steinkirchen. Und ich muss Nele Recht geben: Das Beste an diesem Dip ist das Fladenbrot, das ich dazu gekauft habe.

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Nachdem ich das Brot (ohne Dip) zum Abendbrot vertilgt habe, greife ich zum Telefonhörer, um meinen Freund Kai anzurufen. Kai ist Koch, hat schon in vielen Hotels gearbeitet UND hat einmal eine Grundschulmensa geleitet. Vielleicht hat er eine Idee, wie man die Rezeptur verbessern kann? Doch Kai ist skeptisch. Mit Kichererbsen sei das so eine Sache, erklärt er. Entweder man mag sie oder man mag sie nicht. Dazwischen gibt es nicht viel Spielraum. Viele Menschen schreckt allein schon die mehlige Konsistenz der Hülsenfrucht ab. Kichererbsen aus der Dose haben es noch schwerer zu punkten. Um den Konservendosengeruch und -geschmack zu vertreiben, reicht eine kurze Dusche nämlich gar nicht aus. Richtige Köche wie Kai gönnen den Kichererbsen ein mehrtägiges Bad, bevor sie sie weiterverarbeiten. „Und jetzt?“, frage ich Kai am Telefon, „Hast du vielleicht ein paar alternative Vorschläge? Andere Rezepte?“. Ich höre wie Kai einige seiner Kochbücher durchstöbert. Er schlägt zum Beispiel Kräuter-Joghurt-Dip oder Avocado-Creme vor. „Vielleicht könnt ihr aber auch die Kinder oder Lehrerinnen und Lehrer fragen, ob sie vergleichbar einfache und leckere Dip-Rezepte kennen“, fügt er noch hinzu. Die Idee gefällt auch meinen Kolleginnen im Verlag.

Obwohl das Geschmackserlebnis, das die Kinder der Grundschule Steinkirchen und ich mittlerweile teilen, deutlich zu wünschen übrig lässt – diese Kichererbsendip-Geschichte hat auch etwas Positives: Erstens finde ich es sehr bemerkenswert, wie gekonnt die Kinder einer zweiten Klasse bereits Kritik üben können. Das kommt den Anforderungen der KMK Bildungsstandards im Anforderungsbereich 3 (Reflektieren und Beurteilen) sicherlich entgegen. In diesem Sinne hat unser Kichererbsendip-Rezept zumindest einen schönen Schreibanlass geboten. Und zweitens habe ich endlich mal wieder meine Nachbarn besucht und mit Kai telefoniert.

Haben Sie Vorschläge für ein alternatives Rezept, das wir hier im Blog veröffentlichen können? Dann schnell her damit!

Herzlichst
Birte

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