Zebrafanclub
Schritt für Schritt. Alle kommen mit.

Die Zeitform Präteritum in der Grundschule: Komplette Unterrichtseinheit mit Spielen und KI-Unterstützung

Gemeinsam mit meiner 3. Klasse reisen wir durch die Zeit: Zurück in die Vergangenheit – die Zeitformen Präteritum und Perfekt warten auf uns – und in die Zukunft der KI-gestützten Unterrichtsvorbereitung. Auf unserem Weg von der Stundenplanung über die Erstellung von Arbeitsblättern bis hin zum abschließenden Test möchte ich euch bei jedem Schritt zeigen, wie ich gemeinsam mit der KI für meine Klasse eine maßgeschneiderte Unterrichtseinheit erstellt habe.

Bühne frei für KI

Kostenlos, aber nicht umsonst

Die Zukunft hat vor etwa drei Jahren mit der Veröffentlichung von ChatGPT und Claude.ai begonnen. Mittlerweile empfehle ich allen Kollegen, Claude.ai zu nutzen, aber die hier beschriebenen Prinzipien sind überall gleich: Nach einer kostenlosen Anmeldung auf der Website kann man mit der KI chatten. Wer etwas mehr schreiben möchte, muss bezahlen.

Und es ist wie überall: Was kein Geld kostet, kostet deine Daten.

Tipp Datenschutz: Fast alle KI-Firmen nutzen sämtliche Daten – also das was du mit der KI besprichst – für das „Training“ des nächsten Modells. Wenn es möglich ist – meist nur bei Bezahl-Accounts, solltet ihr das in den Einstellungen deaktivieren.

Es versteht sich von selbst, dass sensible Daten und -materialien nicht mit einer KI geteilt werden sollten. Und natürlich muss jede Bewertung eurer Schülerinnen und Schüler stets durch euch selbst vorgenommen werden, nicht durch die KI.

Eine Rolle zuweisen

Die Technik entwickelt sich rasant. Alle paar Monate gibt es bedeutende Sprünge in den Fähigkeiten. Wenn du vor einem Jahr von den Antworten enttäuscht warst, probiere es doch jetzt noch einmal aus!

Man kann sich eine KI wie eine Schauspielerin in einem Improvisationstheater vorstellen: Du gibst der KI eine Rolle und die Art, wie sie sie spielen soll, z.B. „Du bist Expertin für Grundschuldidaktik.“ „Dein Unterricht ist motivierend und wertschätzend.“ So bestimmst du, von wem du beraten werden möchtest, welche Person deine KI-Denkpartnerin sein soll. Im Infokasten findest du die Rollenbeschreibung, die ich der KI zu Beginn jedes Gespräches sende.

Tipp Rollenbeschreibung: Du bist eine weltweit herausragende Pädagogin für Grundschulkinder. Deine Spezialgebiete sind Deutsch, Sachunterricht und Musik. Dein Unterricht ist motivierend und außergewöhnlich. Dabei lässt du dich von abgesicherten Forschungsergebnissen leiten, um den Kindern große Lernfortschritte zu ermöglichen. Du verfügst über herausragende fachliche und didaktische Fähigkeiten, und deine Anwendung der Erkenntnisse aus Hirnforschung, Didaktik und Pädagogik garantieren gute Ergebnisse.

Ich bin ebenfalls Lehrer. Ich unterrichte die gleichen Fächer in den Klassen 1 bis 6 im sozialen Brennpunkt in Berlin. Ich bitte dich um deinen Rat.

Eine Szene zuweisen

Die KI-Schauspielerin kennt nun ihre Rolle. Sie benötigt noch eine Szene: Wie sieht deine Klassensituation aus? Je genauer du die Szene beschreibst, desto besser wird die KI ihre Rolle spielen können. Wenn sie nur weiß, dass du „ein Arbeitsblatt zum Präteritum in der 3. Klasse“ brauchst, wird sie dir nur sehr allgemeine Hinweise geben können. Schau dir im Infokasten an, wie ich eine Szene beschreibe.

Oft gebe ich der KI auch eine Kopie meiner Unterrichtsplanung, achte aber darauf, dass keine sensiblen Daten enthalten sind. So weiß sie ganz genau, was wir auf welchem Niveau behandelt haben. Die Vorschläge der KI passen nun viel besser zu meiner Klasse. Und vor allem passen sie dadurch wirklich zu mir, zu meiner Vorstellung von gutem Unterricht.

Tipp Szenenbeschreibung: Meine 3. Klasse lernt an einer Brennpunktschule, wir haben in der letzten Stunde das Präteritum eingeführt. Folgendes ist den Kindern schwer gefallen … Das möchte ich nun mit einem neuen Arbeitsblatt üben.

Die unbekannte Zeitform Präteritum erarbeiten

Die Bühne ist vorbereitet, die KI hat viele Informationen (der sogenannte Kontext) zu ihrer Rolle. Der Zebra Unterrichtsassistent hat meine Klasse und mich sicher durch die ersten Stunden zum Präsens und Präteritum geführt. Die regelmäßigen Verben (ich erklärte, ich erlebte, ich träumte) waren kein Problem für meine Klasse. Aber die unregelmäßigen Verben (ich lief, ich gab, ich gefiel) kamen den Kindern vor wie Fremdwörter. Das Präteritum kommt fast nur in geschriebener Sprache vor. Und wer wenig liest, kann sie nur raten. Die Kinder müssen aber ab Klasse 4 in Aufsätzen selbst im Präteritum schreiben können.

Ich hatte mich daher entschlossen, die wichtigsten unregelmäßigen Verben wie Vokabeln als Lernwörter lernen zu lassen. Um herauszufinden, welche Vokabeln die wichtigsten sind, habe ich die KI um Hilfe gebeten. Sie sollte sprachwissenschaftlich fundierte Quellen zu Worthäufigkeiten vergleichen, das Ergebnis mit dem Berliner Grundwortschatz abgleichen und eine Liste der 30 häufigsten Verben erstellen. Das Ergebnis könnt ihr gleich hier herunterladen.

Auf die Plätze, fertig, würfeln!

Um diese Wörter möglichst oft und spielerisch zu trainieren, habe ich die Anregung aus diesem Blog genutzt und Würfelkarten erstellt. Ich habe sie aber um das Präsens erweitert. In Partnerarbeit durften sich die Kinder drei Karten aussuchen, würfeln und dann die entsprechende Personalform aufschreiben. Wer ein Wort drei Mal geschrieben hatte, durfte sich ein neues Wort holen.

Die Würfelkarten findet ihr unterhalb des Artikels zum Download. Es gibt die Karten mit den 30 Wörtern der Wörterliste im Präsens und im Präteritum. So könnt ihr die Karten zur Differenzierung nutzen.  Starke Kinder dürfen sich nur das Präsens anschauen und kontrollieren sich anschließend mit der Rückseite, schwächere Kinder starten gleich mit dem Abschreiben der Rückseite.

Hinweis: Die Karten sind so angelegt, dass sie durch Spiegeln an der kurzen Seite doppelseitig ausgedruckt werden müssen, um das Präsens auf der Vorderseite und das Präteritum auf der Rückseite erscheinen zu lassen.

Nach ein paar Tagen wollte ich ein wenig Abwechslung in die Aufgabe bringen. Ich habe der KI meine Würfelkarten als PDF hochgeladen und dann mit ihr verschiedene motivierende Alternativen diskutiert. So sind wir gemeinsam auf neue Würfel-Regeln gekommen und mit großer Freude hüpfte, stand, lag und färbte meine Klasse bei jeder neuen Zahl.

Die Würfel-Regeln findet ihr zum Downloaden sowohl auf einem A3-Plakat für die Tafel als auch als Würfelnetz zum Basteln eines entsprechenden Würfels.

Würfelregeln

Würfelregeln, jeder Würfelzahl ist eine Regel zugeordnet.

Wuerfelregeln

Würfel-Regeln, Idee erarbeitet in der Diskussion mit Claude Sonnet 4.5

Ein Zeitformen-Quartett

Der Zebra Unterrichtsassistent schlägt nach der Einführung des Perfekts vor, ein Zeitformen-Quartett zu erstellen. Es ist lang her, dass ich mal Quartett gespielt habe. Natürlich konnte mir die KI die Regeln erklären. Nach einer kurzen Diskussion über die didaktisch beste Aufbereitung stand die Idee für das Spiel.

Im März werde ich im nächsten Artikel dieser Reihe beschreiben, wie unsere Zeitmaschine ins Stottern kam, als die Kinder Texte von der Zeitform Perfekt ins Präteritum übertragen sollten. Bis dahin wünsche ich euch spannende Gespräche mit eurer KI-Schauspielerin. Viel Erfolg!

Johannes

Quartettkarten zum Trainieren der Verbzeitformen Präsens und Präteritum

Zebrafanclub_Quartettkarten_Praesens_Praeteritum_A4-2

Quartettkarten, Idee erarbeitet in der Diskussion mit Claude Sonnet 4.5

Downloads

Dazu passt

Folgt…

8 Personen haben sich für diesen Beitrag bedankt.
Danke!

Über den Autor

Johannes Wilke

Berufliche Tätigkeit: Seit meiner Kindheit bin ich in der Musik, aber auch in den Naturwissenschaften und Sprachen zuhause. An einer Berliner Grundschule habe ich das Glück, meine Begeisterung für all diese Bereiche den Kindern weitergeben zu können. Als Leiter des Musik-Fachbereichs unterrichte ich im Laufe der Grundschulzeit fast jedes Kind unserer Schule. Auch der Deutschunterricht in meiner eigenen Klasse liegt mir sehr am Herzen. Es ist für mich eine besondere Freude und Verantwortung, den Kindern das Lesen und Schreiben beizubringen. Dabei hilft mir so manches (teilweise selbst gestrickte) digitale Tool. Und natürlich ist mein behufter Assistent Franz immer mit dabei. Was mir privat Spaß macht: In der Schule sehe ich, wie schnell die Kinder wachsen. Umso mehr versuche ich derzeit, nachmittags mit meiner Familie zu erleben. Mal machen wir gemeinsam Knete (beliebt nicht nur in Klasse 1!), mal sind wir in der Natur unterwegs. Selbst Brot zu backen, ist seit langem meine Leidenschaft, genauso wie das Bergwandern im Sommer. Und in einigen Jahren, nach all dem Wachsen des Kindes, möchte ich wieder als Pianist mit der einen oder anderen Funk- oder Salsaband spielen.

Hinterlasse einen Kommentar

Ich habe die Datenschutzerklärung gelesen und verstanden.

Nach oben