Zebrafanclub
Schritt für Schritt. Alle kommen mit.

Medienbildung mit Zebra Franz (Teil 2): Klassenchats verstehen und richtig handeln

Klassenchats sorgen schon in der Grundschule immer wieder für Konflikte und Missverständnisse. Der Beitrag stellt eine spielerische Unterrichtsidee vor, mit der Kinder typische Chat-Situationen gemeinsam reflektieren und Handlungsstrategien entwickeln können. So lässt sich Medienbildung aktiv und präventiv im Unterricht umsetzen.

Klassenchats in der Grundschule: Chancen und Herausforderungen frühzeitig besprechen

In meinem ersten Teil ging es um die Frage, warum ein eigenes Smartphone in der Grundschule oft noch nicht notwendig ist und wie Schulen Eltern beim Aufbau von Medienkompetenz unterstützen können. Doch selbst ohne eigenes Handy kommen Kinder häufig früh mit Klassenchats in Kontakt – über Geschwister, Freundinnen und Freunde oder geliehene Geräte der Erwachsenen.

Deshalb lohnt es sich, das Thema präventiv im Unterricht aufzugreifen, bevor Konflikte entstehen. Eine gute Grundlage dafür bietet die 5-Minuten- Hörgeschichte von Zebra Franz, die meine Kollegin Katja Büscher für den Zebrafanclub geschrieben hat. Darin erlebt Franz, wie verletzend Nachrichten in einem Klassenchat sein können, und wie wichtig es ist, Hilfe bei Erwachsenen zu suchen und Konflikte gemeinsam zu klären.

Diese Geschichte eignet sich hervorragend als Einstieg, um mit Kindern über Klassenchats und den respektvollen Umgang miteinander zu sprechen. In Klasse 3/4 kann die Geschichte sehr gut in der Lesezeit gemeinsam im Lesetandem erarbeitet werden. Alternativ könnte die Geschichte auch als Leseaufgabe im Wochenplan/in der Lernzeit eingebettet und im Unterricht aufgegriffen werden. Es gibt auch die Audio-Datei zur Geschichte. Mit der nachfolgenden Praxisidee möchte ich mich dieser Geschichte anschließen.

5-Minuten-Hörgeschichte: Zebra Franz wünscht sich ein Handy

Medienbildung in Bewegung: Das Chat-Detektiv-Spiel

Aufbauend auf der Geschichte habe ich ein Unterrichtsspiel entwickelt, mit dem Kinder typische Situationen aus Klassenchats spielerisch reflektieren können: das Chat-Detektiv-Spiel – A, B oder C, angelehnt an das bekannte Format „1, 2 oder 3“. Über die digitale Tafel werden kurze Situationen beschrieben, wie sie in Klassenchats oder beim Umgang mit Smartphones auftreten können. Zu jeder Situation gibt es drei Antwortmöglichkeiten. Die Kinder entscheiden gemeinsam, welche Reaktion sinnvoll ist:

  • Sie stellen sich im Raum zu Antwort 1, 2 oder 3 entsprechend auf oder
  • sie zeigen ihre Entscheidung mit den Fingern oder Zahlkarten an.

So entsteht automatisch Bewegung im Klassenraum (zumindest bei meinem Favorit – Variante 1), und gleichzeitig kommen Gespräche über richtige und falsche Entscheidungen in Gang.

Warum das Spiel besonders gut in Klasse 4 passt

Spätestens vor dem Übergang zur weiterführenden Schule bekommen viele Kinder ein eigenes Smartphone oder treten erstmals Klassenchats bei – ich hoffe natürlich so spät wie möglich! Genau dafür setzt das Spiel präventiv an. Die Kinder lernen:

  • dass Nachrichten verletzen können,
  • dass man nichts weiterleiten sollte, was andere bloßstellt,
  • dass man Hilfe holen darf,
  • und dass man Konflikte nicht allein lösen muss.

Gleichzeitig erleben sie: Man darf Fehler machen – wichtig ist, daraus zu lernen.

Smartphone in Aktion

Unterrichtsgespräche statt Verbote

Das Ziel des Spiels ist nicht, Kinder zu verunsichern oder digitale Medien schlechtzureden. Vielmehr geht es darum, Situationen gemeinsam zu besprechen, Erfahrungen auszutauschen („davon hat meine große Schwester schon mal erzählt…) und Kinder zu stärken, damit sie später selbst verantwortungsvoll handeln können.

Viele Kinder berichten im Unterricht sehr offen von eigenen Erfahrungen (oder von den Erfahrungen von Bekannten) in Chats. Gerade deshalb bietet das Spiel Anlass in einem geschützten Rahmen über die Risiken/Gefahren von Chatgruppen zu sprechen.

Medienbildung beginnt vor dem eigenen Smartphone

Irgendwann kommen Kinder alle – früher oder später – mit Klassenchats in Kontakt. Umso wichtiger ist es, ihnen schon vorher Orientierung zu geben. Mit spielerischen Unterrichtsformaten wie dem Chat-Detektiv-Spiel können Lehrkräfte Medienbildung altersgerecht und praxisnah umsetzen. Ohne erhobenen Zeigefinger, aber mit viel Raum für Gespräche und Bewegung.

Und vielleicht stellt am Ende auch das eine oder andere Kind fest: Manchmal ist es gar nicht so schlimm, noch kein eigenes Handy zu haben. Diese Haltung wäre wünschenswert und vielleicht nähern wir uns sogar der smartphonefreien Grundschule immer mehr an!

Zebra Franz fährt Skateboard

Ich wünsche euch viel Freude beim Ausprobieren und gute Gespräche mit euren Klassen. Noch ein Tipp: Mehr zum Thema Medienbildung könnt ihr auf dem Grundschul-Blog nachlesen.

Herzlichst
eure Vanessa

[@miss_thiel]

Dazu passt:

7 Personen haben sich für diesen Beitrag bedankt.

Über die Autorin

Vanessa van Zoest

Berufliche Tätigkeit: Ich bin Grundschullehrerin in Köln und unterrichte an einer bilingualen Grundschule. Neben meinen Lieblingsfächern Deutsch und Englisch liegt mir vor allem das Thema Medienbildung am Herzen. Es begeistert mich, Kinder fit für die digitale Welt zu machen und ihnen Kompetenzen zu vermitteln, die sie nachhaltig stärken. Besonders gerne probiere ich Neues im Unterricht aus, gestalte flexible Lernumgebungen und widme mich gerne der Materialerstellung. Seit einigen Jahren schreibe ich regelmäßig für den Klett Grundschul-Blog und den Zebrafanclub, wo ich meine Erfahrungen und Ideen mit anderen Lehrkräften teile – ein Austausch, der mir sehr viel Freude bereitet. Außerdem bin ich auch auf Instagram (@miss_thiel) aktiv und nehme meine Community dort mit in meinen Lehrerinnenalltag, teile Einblicke in meine Unterrichtspraxis, zeige Materialien und manchmal auch Privates. Was mir privat Spaß macht: reichlich Sonne tanken, Reisen, Lesen, Yoga, Meditieren, Musikhören, auf Flohmärkten stöbern, Tennis spielen und natürlich Zeit mit meinen Liebsten zu verbringen.

Hinterlasse einen Kommentar

Ich habe die Datenschutzerklärung gelesen und verstanden.

Nach oben