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///Mindfulness – Achtsamkeitstraining in der Grundschule (Start)

Mindfulness – Achtsamkeitstraining in der Grundschule (Start)

Von | 2018-11-14T12:40:18+00:00 24. Oktober 2018|Zebra im Klassenzimmer|6 Kommentare

Stress und Hektik im (Schul-)Alltag? Wer kennt es nicht! Die Ferien liegen noch nicht lange zurück, aber von der Erholung ist nicht mehr viel übrig. In unserer schnelllebigen und leistungsorientierten Gesellschaft nehmen Erkrankungen wie Burnout und Depressionen stetig zu. Stress spüren aber nicht nur wir Erwachsenen immens, sondern auch Kinder. Höchste Zeit innezuhalten und schon bei Kindern den Grundstein für ein gesünderes Leben zu legen. Wie das geht? Mit Achtsamkeit.


Was bedeutet Achtsamkeit?

Wenn wir mehrere Dinge gleichzeitig oder automatisiert erledigen, sind wir nicht achtsam. Innezuhalten und im Augenblick präsent zu sein, das Geschehen, sowohl um uns herum als auch in uns, aufmerksam zu beobachten und es weder zu bewerten noch zu beurteilen, bedeutet Achtsamkeit.

Klingt eigentlich total einfach. Leider sind wir jedoch oft nicht achtsam. Der momentane Trend, sich mit dieser sehr alten Praktik aus dem fernen Osten zu befassen, kommt also nicht von ungefähr. In unserer schnelllebigen Gesellschaft mit stetig wachsenden Anforderungen bemühen wir uns um effizientes Arbeiten und versuchen, möglichst viele Dinge in möglichst kurzer Zeit zu erledigen. Jedoch sind wir dann meist gar nicht bei der bzw. einer Sache, sondern „switchen“ unaufhörlich zwischen den verschiedenen Aufgaben hin und her.

Achtsamkeit ist für uns alle von Bedeutung. Regelmäßig angewendet, steigert sie nicht nur unser Wohlbefinden, sondern schützt präventiv auch vor Burnout, Depression und stärkt unsere Resilienz. Das betrifft nicht nur Erwachsene, sondern auch schon Kinder und Jugendliche. Achtsamkeit ist somit eine wichtige Grundfertigkeit, die es zu erlernen gilt, um ein gesünderes und glücklicheres Leben zu führen.


Lernerfolge durch Achtsamkeit steigern

Entspannungsmethoden oder Fantasiereisen sind in Kindergarten und Grundschule nichts Neues. Jedoch leben wir in einer Leistungsgesellschaft, die bereits in der Grundschule zu spüren ist. Die Vermittlung der Kernkompetenzen in den Fächern hat Vorrang. Zeit für Entspannungsübungen, Zeit, um in sich hineinzuhorchen, zu fühlen und sich wahrzunehmen, bleibt häufig kaum.
Wenn Kinder jedoch frühzeitig lernen, achtsam zu sein, ihre Emotionen wahrzunehmen und hinzuschauen, lernen, mit ihnen umzugehen, dann können sie auch ihre Handlungen und Entscheidungen bewusster steuern und somit auch im sozialen Miteinander erfolgreicher sein. Sie lernen, ruhiger zu werden und nicht alle Emotionen direkt herauszulassen, sondern sich selbst zu regulieren. Dabei gibt es keine richtigen oder falschen Gefühle.

Da Emotionen zu Handlungen führen, erlernen die Kinder durch das achtsame Beobachten ihrer Gefühle, welche sie nun zulassen bzw. welchen sie nachgeben wollen und welchen nicht oder vielleicht erst später. Dies ist eine wertvolle Fähigkeit, um das gegenseitige Verständnis und Empathie zu fördern und um Konfliktsituationen adäquat zu bewerkstelligen.

Durch Achtsamkeit wird nicht nur die Selbstregulation gesteigert; auch die Konzentrationsfähigkeit nimmt zu, denn ich lerne, mich auf den Augenblick zu konzentrieren und beispielsweise nicht an gestern, die letzte Pause, den Konflikt von eben oder an die Klassenarbeit morgen denke. Die Konzentrationsfähigkeit zu schulen und die Aufmerksamkeitsspanne zu verlängern, bedeutet für viele Kinder ein größerer Lernerfolg.


Achtsamkeit und soziales Lernen

Mindfulness oder Achtsamkeit ist ferner auch im Bereich der Positiven Bildung angesiedelt. Diese entstammt der Positiven Psychologie (vgl. „The PERMA Model: Your Scientific Theory of Happiness“, www.positivepsychologyprogram.com), welche im Gegensatz zur traditionellen darum bemüht ist, die Bereiche eines Jeden zu stärken, die bereits gut funktionieren. Ihr Wegbereiter ist Prof. Martin Seligman von der University of Pennsylvania, welcher die Theorie des Wohlbefindens (PERMA) begründet hat. Achtsamkeit spielt in dieser eine bedeutende Rolle (vgl. M. Seligman, Flourish, 2012: Wie Menschen aufblühen. Die Positive Psychologie des gelingenden Lebens. Kösel, München, 119 f.).

Im englischsprachigen Ausland hat das Thema Mindfulness an Schulen bereits einen hohen Stellenwert erlangt. In Westaustralien war Mindfulness Practise schon 2013 im nationalen Curriculum fest verankert und in England ist es mittlerweile sogar als Schulfach eingeführt.
(vgl. „Achtsamkeitstraining als verbindliches Schulfach“, www.horizonworld.de)

Die Positive Bildung geht stärken- und werteorientiert vor und soll Schülerinnen und Schülern in ihrer Persönlichkeit und mentalen Gesundheit festigen. Achtsamkeitsmethoden und die Arbeit mit positiven Emotionen, wie Dankbarkeit, Zuneigung, Optimismus etc., sind wesentlicher Bestandteil, um den Geist zu stärken und glücklicher zu werden. Aber auch das Training der Sozialkompetenz geht damit einher.

Das Miteinander zu fördern ist besonders wichtig, denn innerhalb einer Gruppe intensivieren gute Beziehungen das Wohlbefinden jedes Einzelnen. Kooperative Spiele und Arbeitsformen sowie teambildende Maßnahmen in seinen Unterricht miteinzubauen, ist daher von großer Bedeutung.


Achtsamkeit und soziales Lernen

Aber auch kleinere Rituale, wie beispielsweise die Warme Dusche, sind förderlich. Diese Methode lenkt den Blick auf das Positive und soll den Kindern zeigen, dass sie gut sind, so wie sie sind. Je nach Altersstufe und/oder Klasse kann die Methode ganz unterschiedlich umgesetzt werden. Ob mündlich oder schriftlich ist euch überlassen.

Viele setzen die Warme Dusche als Geburtstagsritual ein, jedoch plädiere ich für einen regelmäßigeren Einsatz. Vielleicht lässt sie sich zu einer festen Zeit in der Woche als Ritual etablieren? Eine Visualisierung für die Stundentransparenz findet ihr unter diesem Beitrag zum kostenlosen Download.

Achtsamkeitstraining, Kartei, Beispielübung "Warme Dusche"

Kartei Achtsamkeitstraining, Beispielübung „Warme Dusche“

Hilfreich ist es zudem, mit den Schülerinnen und Schülern im Vorfeld Satzanfänge zu erarbeiten, die es ihnen erleichtern, warme Worte zu finden. Dies könnten sein:

  • Ich finde toll, dass du…
  • Du kannst stolz auf dich sein, weil…
  • Ich mag an dir, dass du …
  • Schön, dass du in meiner Klasse bist, weil …

 

Wenn ihr euch entscheidet, die Warme Dusche mündlich, beispielsweise im Stuhlkreis, durchzuführen, empfehle ich, eine Visualisierung der oben genannten Satzanfänge im Klassenzimmer. Vielleicht haben eure Kinder ja noch weitere Ideen, wie sie ein Kompliment beginnen können?


Ich handhabe die Warme Dusche als Morgenritual, um den Tag einzuleiten. Denn einige Kinder haben in der Früh noch keine Dusche gehabt, deshalb gibt es die erst einmal in der Klasse. 🙂

Ein Kind wird per Zufall ausgewählt und darf sich, sofern es das möchte, drei Komplimente bei seinen Mitschülern „abholen“. So kommt jeder im Monat einmal dran und der Tag beginnt ganz positiv, insbesondere für das ausgewählte Kind. Die Transparenzkarte habe ich also in unseren Morgenkreis-Guide eingebaut, der von einem Kind moderiert wird. Mit diesem Morgenritual besprechen wir übrigens auch das Datum und das Wetter und überprüfen die Anwesenheit. Die Inhalte des Guides sind natürlich austausch-, und/oder erweiterbar und eignen sich im weiteren Verlauf auch sehr gut für das bilinguale Lernen (ich münze meinen Guide später auf Englisch um.)

Achtsamkeitstraining, Morgenkreis

„Warme Dusche“ als Morgenritual


Wie auch immer ihr es macht, reflektiert danach unbedingt, wie sich die warmen Worte für das Kind angefühlt haben. Wo hat es die vielleicht sogar gespürt? Es geht also um das Wahrnehmen von Emotionen. In sich genau hineinhorchen und sich spüren, müssen einige Kinder (und Erwachsene) erst wieder lernen.

Im nächsten Beitrag zum Thema möchte ich euch Beispiele vorstellen, wie wir mehr Achtsamkeit im Schulalltag integrieren.

Dazu gibt es eine Kartei mit Zebra Franz zum Sammeln. Also klickt wieder rein!

Herzlichst eure Vanessa Thiel

Kartei Achtsamkeitstraining

Kartei Achtsamkeitstraining

Zebra Kartei Achtsamkeit
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